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Ihr lieben Mitmenschen,
nach so langer Zeit melden wir uns mal wieder und berichten wie immer Spannendes und Lustiges, aber hoffentlich nie Langweiliges!
Nun ja, was bisher geschah:
Nachdem wir uns von unserer lieben Insel Madame Elliot verabschiedet haben und auf den australischen Festlandsboden zurückgekehrt sind, sind wir eine Zeit lang in Bundabergs Umgebung rumgedümpelt, haben uns Eier legende Schildkröten an Mon Repos Strand angeguckt und überlegt, ob wir nun weiterreisen oder erstmal hier arbeiten. Da wir planen, an Silvester in Sydney zu sein, ist es natürlich verführerisch 4 bis 5 Wochen die 1200km entspannt runter zu traveln, um alle Schönheiten der Küste zu entdecken.
Jedoch böse Worte mancher Mütter haben uns aus unserem Traum gerüttelt und energisch dazu getriezt, jetzt aber doch bitte erstmal zu arbeiten. (Vor allem meine...)
Und voilà: Jetzt zerstören wir täglich 8 Stunden lang unsere Rücken beim Melonen- und Kürbispicken auf einer Farm hier bei Bundaberg. Naja, das klingt jetzt vielleicht schlimmer als es ist. Also weiter in der richtigen Reihenfolge.
Wir konnten das schlechte Gefühl nicht einfach über die Schulter werfen und weiter reisen und somit haben wir diverse Jobseiten im Internet durchforstet und uns bei einer Jobvermittlungsagentur eingetragen. Wenige Tage später konnten wir hier anfangen. Joes Job ist, neben einem Truck herzulaufen und zusammen mit anderen 8 Jungs die Wassermelonen aufzusammeln und auf das Laufband zu legen, das auf den Truck führt. Mein Job ist – leider in einer anderen Gruppe auf dem Feld – auf dem Truck die ankommenden Kürbisse zusammen mit zwei anderen Mädchen in die 12 riesigen Kartons zu packen. Das bedeutet, alle 10 Sekunden zum Laufband runterbeugen, die Kürbisse aufheben und wieder runter in die Kiste beugen, um sie abzulegen. Wie man sich vorstellen kann, lässt die Motivation recht schnell nach und man beginnt, die Kürbisse mehr reinfallen zu lassen als sie hinzulegen. Alles in allem ist die Arbeit nicht nur anstrengend, sondern wird auch irgendwann etwas langweilig. Musik in den Ohren macht es – mir zumindest – wesentlich schöner und die Zeit vergeht schneller.
Am ersten Tag war ich so fertig, dass ich meinen Arm nicht mehr bewegen konnte und abends im Bett nach wenigen Sekunden eingeschlafen bin. Leider gewöhnt man sich aber an die anstrengende Arbeit. Bereits nach unserem 4. Arbeitstag war ich schon wieder recht munter. Letztens hatte ich frei und Joe konnte alleine schuften gehen. Und hatte endlich mal wieder früher frei, sodass wir noch ans Meer fahren konnten :-)
Es ist allerdings ein bisschen beängstigend, dass fast täglich Leute gefeuert werden, sobald sie nur einen kleinen Fehler gemacht haben, und direkt ersetzt werden. Wir sind jetzt allerdings schon 1,5 Wochen dabei. Das heißt hoffentlich, dass unsere Chance geschmissen zu werden, immer geringer wird. Bisher läufts jedenfalls. Außerdem hören wir eh nächste Woche auf.
Die Farm hat hier in Bundabergs Umgebung übrigens das Monopol schlechthin für Wassermelonen und Kürbisse. Unser Chef verdient alle 4 Wochen ca. 1,4Millionen Aus$, wenn man schon ALLE Kosten abgezogen hat (Gehälter, Geräte, etc.). Neben der Farm steht ein schickes Haus mit Pool und allem drum und dran.
Wusstet ihr, dass richtig große Wassermelonen bis zu 15kg wiegen und die für 2 $/kg verkauft werden? Das bedeutet, dass so eine Melone allein schon 25-30$ wert ist. Umgerechnet etwa 17 Euro. Drei Melonen und unser Tagesgehalt ist bezahlt. Jede Pickinggruppe auf den Feldern sammelt pro Tag ca. 7000-8000 Melonen auf. Nicht schlecht, oder? Kein Wunder, dass sie sich es leisten können, dass wir jede Pause mindestens 3 Melonen schlachten.
Bis zum 9.12. arbeiten wir jetzt noch auf der Farm und dann machen wir uns auf den Weg gen Süden :-) Hier oben wird es sowieso langsam viel zu heiß.
Wir stehen jetzt übrigens mal seit längerem wieder auf einem Campingplatz. Den Dreck von der Arbeit kriegt man zwar sowieso nie ganz weg, aber eine richtige Dusche hat schon was für sich. Immerhin ist der Platz echt günstig und es sind noch einige andere Deutsche von der Arbeit hier. Das macht es da ganz nett. Denn die ständig Betrunkenen Australier dort können einem die Laune ganz schön verderben. Ich finde es echt schlimm, wie abgewrackt viele Menschen hier leben.
Und a propos Eigenarten der Australier... Wir sind ja nun schon seit 1,5 Monaten in Australien, noch nicht weit gekommen, aber haben viel erlebt. Und was uns bisher an diesem Land und diesen Einwohnern Spezifisches aufgefallen ist, habe ich mir mal notiert, damit ich es nicht vergesse und will es euch in einem netten, kleinen Resumé präsentieren!
Der größte Unterschied zwischen Backpackern mit und Backpackern ohne Auto ist der, dass man ohne nur in Hostels rumhängt, nicht wirklich weiter als zu Fuß raus kommt und ab und zu mit seltenen Nicht-Deutschen auch ein paar Worte Englisch redet. Im Gegensatz dazu können wir mit unserem Auto in 15min aus dem Ort ans Meer fahren, in üppig angelegten Picnicareas kochen und essen und viel mehr Australier kennenlernen. Und das bevorzuge ich stark. Es gibt nur äußerst selten unfreundliche Australier und wenn man sich mal an einem öffentlichen Picnic-Ort niederlässt, braucht man maximal 10min warten und man wurde von einem Australier angesprochen. Alle wollen äußerst begeistert wissen, woher man kommt, wie lange man hier ist und was man währenddessen macht. Das bedeutet, dass wir durchschnittlich zwei mal die Woche unsere Story erzählen und jedes Mal neue Australier glücklich machen und dabei selber immer zahlreiche Reisetipps zurückbekommen. Ich frage mich, ob diese Menschen alle Backpacker danach fragen, wie sie uns fragen. Denn dann müssten sie schon alle Variationen an Routen, Arbeiten und Leben kennen, die Traveller so berichten können Und toll ist, dass sie uns immer fragen, ob wir es auch so wunderschön finden in diesem Land und unsere Zeit genießen. Man sollte wissen, dass alle Australier glücklich sind, hier zu leben, liebend gerne in den zahlreich angelegten Picnicareas essen und jeden Tag wunderbar finden: „It’s a beautiful day, isn’t it?!“ Das ist mein persönlicher Lieblingssatz, den mir eine Frau in einem kleinen Wäldchen am Lake Baroon einst sagte. Die überaus euphorische, unnormal hohe Stimme mit einer fließenden Melodie wie ein singender Bach sprach für sich =) . Um nochmal auf die Picnicareas zu kommen: Es wimmelt hier nur so von unglaublich schön angelegten kleinen Parks mit öffentlichen Toiletten. Und das Beste sind die frei zur Verfügung stehenden Barbecues und Steckdosen. Die Australier investieren eine Menge in ihre Picnic-Vorliebe.
Ja, die Australier sind allerdings auch sparsam und vernünftig. Zumindest was Wasser angeht. Es gibt ebenso an jeder Ecke Wasserhähne und –anschlüsse, aber überall steht auch ein Hinweis, dass Wasser sehr kostbar ist und jeder Tropfen gespart werden sollte, den man sparen kann. Recht haben sie. Das Lustige ist allerdings, dass sie das seltene Wasser (ein Stück nördlich von uns beginnt jetzt übrigens die Regenzeit) dringend schützen wollen, im Gegensatz dazu aber Unmengen an Benzin raushauen, indem sie die Motoren hier überall unglaublich häufig laufen lassen. Ich musste sehr lachen, als während unserer Mittagspause auf dem Feld, der Traktor eine halbe Stunde alleingelassen lief und zum Ende der Pause unser Traktorfahrer draufstieg, losfahren wollte und erstmal abwürgte. Es war göttlich! Vielleicht wollte sich der Traktor beschweren Ich glaube jedenfalls, dass den Australiern ihr Benzinverbrauch recht egal ist, da hier ein Liter Benzin umgerechnet etwa 55Cent kostet. Neidisch? Naja, dafür schluckt unser Van aber auch gute 15 bis 20 Liter pro 100km.
Weiter zur Freundlichkeit der Einwohner. Selbst Ranger, die einem mitteilen, dass man am ausgewählten Fleck leider nicht campen darf, sind unheimlich nett und bedanken sich für die Zeit, die man sich genommen hat, um sich das von ihm erzählen zu lassen. Ihr könnt das gerne nochmal in einer älteren eMail nachschauen, in der Joe von Noosa erzählt Und als wir in Bundaberg mal wieder an einem öffentlichen Park mit BBQ und Klo übernachteten, fragte uns am nächsten Morgen eine fröhliche Anwohnerin, ob uns das mit offener Schiebetür nicht zu gefährlich sei und nicht lieber auf ihrem hinterm Haus gelegenen Parkplatz schlafen wollten. Wir waren sehr dankbar, doch gingen nicht darauf ein, weil wir die nächste Nacht woanders verbringen wollten. Jetzt stehen wir ja auch auf dem Campingplatz. Ein Ehepaar, das am Lake Baroon Urlaub machte, als auch wir gerade dort waren, hat uns sogar zu sich nach Hause eingeladen. Wenn wir die Adresse wiederfinden, besuchen wir sie vielleicht mal. Das muss irgendwo zwischen hier und Sydney liegen.
Dann wären da noch die Australier und der Naturschutz. Der Naturschutz geht hier nämlich schon so weit, dass wirklich in 90% von ganz Queensland Hunde verboten sind. Nicht mal angeleint, darf man mit einem Hund in einem Nationalpark spazieren gehen. Dafür, dass hier überall Hunde verboten sind, gibt es jedoch eine ganze Menge davon. Sehr viele sind sogenannte „Kampfhunderassen“, die aber alle unheimlich lieb sind und äußerst fürsorglich gehalten werden. Und dann gibt es natürlich noch einige andere Hunde. Der Anteil letzterer Rassen ist jedoch wesentlich geringer.
Und zu guter Letzt darf man eine Eigenart Australiens nicht vergessen: Viele Australier sind richtig dick! Und ich meine nicht 100kg, ich meine Kleidergröße 5XL, die hier in jedem Kaufhaus standardmäßig vorhanden ist. Das sind richtige Zelte! In dieser Hinsicht teilen sich die Australier allerdings. Komischerweise treffen wir in jeder Picnicarea nur “normal“ beleibte Menschen, die sich mit uns unterhalten.
Man kann nur sagen, dass bis auf wenige Ausnahmen die Menschen hier richtig nett sind und wir sehr froh, dass wir so viel von ihnen mitbekommen, weil wir an schönen Orten mit unserem Van stehenbleiben und nicht nur die Touristenattraktionen begutachten.
So, das war’s jetzt erstmal wieder von uns. Und da wir zur Zeit eh nichts Spannenderes erleben als Arbeiten, schreiben wir sicher wieder erst, wenn wir unsere Reise fortgesetzt haben. Jetzt kann jedenfalls keiner mehr sagen, wir würden ja nur traveln 
Bis bald,
lieben Gruß bei Sonne und 33°C,
eure Lida und euer Joe
PS: Einige, wenige Bilder von unserer Farm haben wir gerade hochgeladen, um wenigstens einen kleinen Eindruck davon zu vermitteln. Leider knippst es sich ansonsten eher schwierig, wenn man arbeiten muss... |
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