Work&Travel im Outback  
 
  Bericht Nr. 11 (19.04.09) 18.03.2026 09:35 (UTC)
   
 

Hallo ihr Lieben,

mal wieder seit Langem wird es Zeit eine Rundmail zu verfassen und diesmal bin ich, Lida, wieder dran zu tippen. Weshalb wir so lange gebraucht haben, erklärt sich damit, dass wir in letzter Zeit immer wieder blöde Pechsituationen erlebt haben, die unsere Stimmung immer in den Keller werfen konnten. Und dann fehlte mir wirklich jedes Interesse daran, eine fröhliche neue Mail zu schreiben. Aber macht euch keine Sorgen, es geht uns ja im Grunde immer noch gut und alle schlechten Dinge sind spätestens mit der Zeit (oder mit Geld...) auch wieder zu beheben.

Wir sind damals aus Katherine losgezogen, weil wir die hohen Temperaturen und die extreme Luftfeuchtigkeit im Norden am Ende der Regenzeit einfach nicht mehr aushalten konnten. Wir mussten sogar im Zelt schlafen, weil es selbst im Auto viel zu heiß war.  Während ihr euch bei viel Regen gerne mal (Zitat) „ein kleines Buschfeuer gewünscht“ hättet, wurden wir überglücklich als es eines Abends doch mal anfing zu regnen und das die Luft für kurze Zeit abkühlen konnte. Knapp 600km nach Katherine gönnten wir uns mal wieder einen „Ausflug“ in die Natur und schwammen in einem großen Wasserbecken namens The Grotto unter einem Wasserfall zwischen hohen Felsen und Bäumchen. Es tat gut, mal wieder abgekühlt zu werden.

Unsere nächste Etappe war der nette Ort Broome und lag 1000km weiter. Man muss bedenken, dass zwischen diesen 1000km der nächstgrößte Ort vielleicht ein paar hundert Einwohner hat und Broome mit seiner Größe von etwa Lohmar DIE Zivilisation war! Das Schöne an Broome war für mich auf jeden Fall das Wattenmeer mit seinen Mangrovenwäldern. Sehr spannend! Mich ein kleines Stück an die Nordsee zurückversetzt gefühlt marschierte ich mit Joe durchs Watt und wir untersuchten jede Spur eines Lebewesens, teilweise sehr skurril und witzig! Zum Wetter: unverändert feucht und heiß... Wir standen den Rest des Tages hauptsächlich unter der Stranddusche.

Nach Broome fuhren wir mit ein paar Stopps insgesamt 1400km bis nach Coral Bay und Exmouth am Ningaloo Reef. Nachdem wir im Norden bereits wieder grüne und wilde Pflanzen betrachten konnten, wurden wir auf dieser Strecke wieder vom Outback erschlagen – und das obwohl die Hälfte der Strecke nur wenige Kilometer vom Meer entfernt lag. Die sich kaum verändernde Landschaft machte uns irgendwann nahezu verrückt. Und das Beste: Unser Auto fing auch noch an, teilweise nicht mehr über 70 oder 60km/h zu kommen und bis zu 25l/100km zu verbrauchen. Schon mal mit 70km/h vom Rheinland bis an den Atlantik in Frankreich gefahren? Ziemlich verzweifelt befragten wir bei einem unserer Stopps einen Mechaniker, der uns riet, das Problem erst in Perth zu beheben, da die Teilebeschaffung nach hier oben zu teuer für uns sei und da der Motor bestens ist, werden wir auch sicher nicht liegenbleiben. Unsere Gedanken gingen hin und her und wir entschlossen uns dazu, unsere Reise fortzusetzen.

 

Am Riff angekommen, wurde das Wetter endlich gut!! Mit besserer Laune legten wir direkt den ersten Schnorchelgang in Coral Bay ein, wo das Riff nur 50m vor der Küste liegt. Wir fuhren daraufhin nach Exmouth, da wir von dort aus eine Tour buchen und starten wollten, auf der man mit einem Walhai schnorcheln kann. Walhaie sind die größten Fische der Welt, werden bis zu 13m lang und sind absolut harmlos, da sie nur langsam durchs Wasser treiben und Plankton filtern. Die Tour inkl. Tauchgang am Vormittag stellte sich leider als Pleite heraus, da die Wellen außerhalb des Riffs viel zu hoch waren, der Skipper jedoch anscheinend Spaß daran hatte, über eine Stunde durch das schwankende Blau zu schippern. Obwohl ich zwei Übelkeitstabletten genommen hatte, hing ich über der Reling und war kurz vor der Entleerung. Noch einige weitere Fehlentscheidungen der Crew und eine heftige Strömung, die das Tauchen und Schnorcheln kaum möglich machte, führte dazu, dass wir leider keinen Walhai sehen konnten und fast die komplette Gruppe ihr Geld zurück haben wollte. Immerhin hatten wir jeder 455Dollar bezahlt, was ca. 230Euro sind. Wir konnten uns letzten Endes damit abfinden, „nur“ den Preis eines Schnorchelausfluges von 160Dollar zu bezahlen und die Differenz zurückerstattet zu bekommen. Deprimiert hatten wir wieder etwas mehr Geld in der Tasche und mussten uns nun mit Schnorcheln am Strand zufrieden geben. Jedoch das Schöne im Gegensatz zum Great Barrier Reef war, dass wir mehr verschiedene Korallenarten sahen und auch eine Anemone mit kleinen Clownfischen. Jedoch war das Wasser nicht tief genug für kleinere Haie oder Schildkröten. Ein kleiner blue-spotted fantail ray (Rochen) hat uns allerdings die Freude gemacht. Wir fuhren auf der Halbinsel noch eine lange Canyonstraße, die über den Pass zwischen zwei Schluchten entlanglief. Von beeindruckenden Blicken in beide Richtungen nach unten wurden wir erneut wieder etwas besser gestimmt und setzten unsere Reise fort.

 

500km südlich von Exmouth liegt Carnarvon. Ein nettes Küstenörtchen, das für seine vielen Bananenplantagen bekannt ist und fast 70% ganz Western Australias mit seinem Obst versorgt. Wir blieben erst nur kurz, da wir uns noch Blowholes an der Küste 80km entfernt anschauen wollten. Diese waren auch die beeindruckendsten Blowholes, die wir bisher gesehen haben. In der felsigen Küstenlinie kam das Wasser aus Löchern in einer Felsfläche geschossen und hat sich zuvor mit einem lauten Ton wie eines tiefen Einatmens angekündigt. Der „große Blow“ ging etwa 15m hoch in die Luft und viele kleinere kreuz und quer etwa 3 bis 4m hoch. Das war auch echt witzig! Es gab ein bisschen entfernt auch einen hübschen Strand und Riff im Wasser, mit dem wir gar nicht gerechnet hatten, was auch uns wieder erfreute! Am Abend lagen wir noch draußen und genossen ohne sämtliche Stadtlichter den wolkenlosen Sternenhimmel. Die Milchstraße war so deutlich wie noch nie für uns zu sehen und zog sich vom einen Ende des Himmels bis zum anderen durch in ihrer vollen Pracht. Mehrere Sternschnuppen ließen uns ein paar Wünsche ins All schicken.

 

Zurück in Carnarvon machten wir ein hübsches Fischrestaurant ausfindig und genossen es am darauf folgenden Abend zum ersten Mal in Australien Essen zu gehen. Schick gekleidet und mit einer Flasche Sekt vergaßen wir mal für einen Abend unsere Sorgen.

 

Am nächsten Tag fuhren wir weitere 400km nach Geraldton, einer endlich wieder ziemlich großen Stadt (d.h. noch lange nicht so groß wie Bonn). Hier machten wir die glückliche und sympathische Bekanntschaft mit einem südafrikanischen Paar und ihrem 10-jährigen Sohn, die uns spontan einluden, bei ihnen zu duschen und wenn wir wollten auch zu kochen, zu waschen und was uns sonst noch einfällt. Wir saßen noch bis spät in die Nacht auf ihrem Balkon und freuten uns über eine Luxusdusche sondersgleichen. Wir genossen ihre Gastfreundschaft noch weitere vier Tage lang, während der wir uns in Geraldton um unser Auto kümmerten. Wir mussten endlich etwas gegen unseren Benzinverbrauch unternehmen und das  Auto von einer Queensland-Registrierung auf Western Australia ummelden, damit wir es in Western Australia verkaufen können. Eine Menge Nerven und eine viel größere Menge Geld konnten dann auch beides bewerkstelligen. Wir fanden unter anderem einen sehr netten, kleinen, dunkelhaarigen italienischen Mechaniker, der uns manches Leid unseres Autos für billig und schwarz repariert hat und wir hatten eine Menge Spaß mit ihm, da er prinzipiell nicht sprach und wenn doch, dann Wörter wie „shit“, während er lachend den Mangel am Auto herausfand. Wir waren heilfroh, bei ihm unser Auto wieder auf Vordermann bringen zu lassen, da man australischen Mechanikern eigentlich nicht vertrauen kann. Ihm jedoch sahen wir bei jeder Fingerrührung zu und er erklärte uns alles ganz genau, sodass wir mitbekamen, was er tat.

Für unsere Umregistrierung mussten wir leider unsere Windschutzscheibe erneuern, was an Kosten kräftig reingehauen hat, ebenso wie unsere Wegfahrsperre, die wir einbauen lassen mussten, aber nun haben wir alles erledigt und waren danach froh, eine Sorge weniger zu haben.

 

Als wir Geraldton am nächsten Tag verließen und uns auf den Weg zu den Pinnacles machten, passierte dann das ach so Unwahrscheinliche. Unfassbarerweise bekamen wir mit einer 1-Tag-alten Windschutzscheibe einen neuen Crack mitten ins Sichtfeld des Fahrers. Wir sind ein halbes Jahr ohne einen einzigen Crack in der Scheibe gefahren und da bekamen wir einen kurz vor unserer Umregistrierung, sodass wir dafür einen Batzen Geld hinlegen mussten und einen Tag drauf kriegen wir einen Neuen. Die Laune war wieder höllisch im Keller. Wir ließen uns vom Fahrer des verursachenden Autos die Telefonnummer seines Arbeitgebers aufschreiben, dem das Auto gehöre, doch es war von Anfang aussichtslos, Geld von ihm zu bekommen und dabei ist es auch bis heute geblieben.

Völlig deprimiert fuhren wir durch ein paar Küstenörtchen bis zur Pinnacles Desert, einem goldfarbenen Sandgebiet mit hunderten aus der Erde ragenden Steinen. Das war auch wirklich wieder sehr skurril. Lauter Phallusse, wie sie sonst nirgendwo zu finden sind. Das Gebiet fängt ganz plötzlich an und genauso plötzlich hört es auch wieder auf. Es wurde uns mal wieder klar, dass der Erfinder von Australien ein Spaßvogel war, der überall im Land verteilt lustige Dinge hingesetzt hat, auf die sonst noch kein Erfinder der anderen Kontinente gekommen ist. Die Devil‘s Marbles waren übergroße Steinmurmeln in einem kleinen Bereich mitten im Nichts. Der Uluru ist ein sehr großer roter Stein an der zentralsten Stelle Australiens. Es gibt Bäume, deren Wurzeln aussehen wie übergroße Penisse. Es gibt ein Schloss aus weißem und gelbem Stein, ebenfalls mitten im Outback. Und neben vielem weiteren gibt es die Pinnacles, genauso witzig!

Tja und nach den Pinnacles ging es dann nach Perth, meiner neuen Lieblingsstadt Australiens! Mit 1,55 Mio. Einwohnern ist sie definitiv mal wieder eine Großstadt und hat trotzdem das Flair einer Kleinstadt. Es gibt schönerweise nur wenige Hochhäuser, viele alte Gebäude in der Innenstadt, lauter grüne Ecken und einen ruhigen Alltag ohne Hektik wie in anderen Großstädten. Man entdeckt immer wieder etwas Neues an Perth.

Unsere erste Zeit in Perth war allerdings nur sehr kurz. Wir gestalteten unsere Auto-Verkaufszettel und verteilten sie schon mal in den Hostels, setzten dann allerdings noch eine gute Woche Reise in den Südwesten hinterher, bevor wir dann das Auto endgültig verkaufen wollten.

 

Und diese Woche war landschaftlich gesehen traumhaft schön! In mir persönlich entwickelte sich hier am meisten das Gefühl, sich auf so einer großen Reise ein bisschen wie zu Hause fühlen zu können. Die Entfernungen sind hier erstmals wieder so, dass man nur 20km weit fahren muss, um wieder etwas Neues und Schönes sehen zu können und nicht bis zu 1000km wie zuvor. Wir fuhren zuerst nach Bunbury. Wir wussten bereits, dass Delphine hier täglich im Wasser gesehen werden. Und bereits am selben Abend sahen wir eine Delphinmama mit ihrem Baby im Wasser am Stadt-Strand. Es wunderte uns allerdings, dass die beiden ganz alleine unterwegs waren und nicht in ihrem Pod. Am nächsten Morgen sahen wir die gleichen zwei nochmal, bevor wir unsere Tour fortsetzten!

Wir fuhren durch einen Wald von Tuart-Bäumen, die nur im Südwesten Australiens zu finden sind bis zum nördlichen Kap der Margaret River Halbinsel. Dieses Fleckchen Erde ist wirklich zu meiner schönsten Stelle Australiens geworden. Wir genossen die hohen Wellen, die mit voller Kraft gegen die Felsen schlugen und gleichzeitig die sanfte Ruhe bei Sonnenuntergang. Wir fühlten uns wieder glücklich, so schöne Natur bewundern zu dürfen und nicht mehr viel Auto fahren zu müssen.

Doch als wir von hier aus die 15km zurück zum nächsten Ort gefahren sind, ist unser schlimmster Australien-Albtraum wahrgeworden. Völlig unvorhersehbar sprang aus dem Busch ein riesiges Känguru vor unser Auto. In Sekundenschnelle sahen wir es und hörten den lauten Aufprall. Wir sahen es beide vor unserem Auto auftauchen und wie es gegen das Metall geknallt ist. Joe sah noch, wie es nach rechts bis über die andere Spur drüber geflogen ist und wir werden diese Anblicke nie vergessen. Es hat sich in unsere Köpfe gebrannt und wird nie mehr gehen. Völlig fertig mit der Situation eines toten Kängurus und unseres Blechschadens schrieen wir mehr als dass wir einen klaren Gedanken fassen konnten. Wir schliefen in dieser Nacht nur wenig und überlegten, ob wir unsere Südwesttour überhaupt noch machen oder lieber direkt zurück nach Perth fahren sollten. Wir entschieden uns dafür, die Fahrt fortzusetzen und die ersten folgenden Tage hatten wir viel Angst vor weiteren Unfällen oder anderem Pech. Wir realisierten jedoch, wie viel Glück wir eigentlich im Unglück hatten. Das Känguru ist weit genug rechts aufgeprallt, sodass seine eigene Schwungkraft nach rechts es direkt vom Auto weg schleuderte und nicht noch auf die Scheibe drauf. Und es ist hoch genug aufgekommen, um keinerlei Schaden an den Autolichtern anrichten zu können. Außer einem unschönen Blechschaden ist uns jedenfalls körperlich nichts passiert und am Auto funktioniert noch alles.

 

Trotzdem hielt unsere Angst und gedrückte Stimmung diesmal länger an als zuvor und es fiel uns sehr schwer, die schöne Landschaft vor unserer Nase genießen zu können. Es ist für mich auch sehr schwierig zu beschreiben, wie es uns Stück für Stück wieder besser ging, da mich die Erinnerung daran beim Schreiben schon wieder erdrückt.

Es lief erstmal irgendwie weiter bis wir auch wieder wirklich schöne Dinge erlebten. Wir sahen den Bicentennial Tree, einen 75m hohen Karri-Baum, auf den man über eine am Stamm entlangschlängelnde, ziemlich ungesicherte Leiter bis nach oben klettern konnte. Karri-Bäume sind ebenfalls nur im Südwesten Australiens vorzufinden und werden bis zu 90m hoch. Der stielgerade und verhältnismäßig schlanke Stamm entwickelt teilweise erst auf 60m Höhe seine ersten Äste. Es gibt drei Karri-Bäume im Südwesten, die man über besagte Leitern erklettern kann. Wir kletterten auf zwei von ihnen. Die oberste der 5 Plattformen auf der Krone des Bicentennial Trees ragt über seine höchsten Blätter hinaus und man kann den Boden nur sehr schwer erkennen. Der Anblick über die Karri-Wälder war gigantisch!

Nach diesen Bäumen hat der berühmte Tree Top Walk etwas an Reiz verloren, war aber natürlich auch spannend! 7 Brücken à 60m Länge wagen sich bis auf eine Höhe von 40m in einem Wald von Red Tingle Trees, die nicht ganz so hoch wachsen wie die Karris, dafür reichlich dicker sind. Die Brücken sind über Plattformen miteinander verbunden, die jeweils nur auf einem einzigen Metallstamm liegen. Die Pfähle haben eine schnell rostende Schicht, die dafür sorgt, dass sie im Wald kaum auffallen. Man fühlt sich also die ganze Zeit in der Luft schwebend.

 

Wir besuchten noch einen bunten Ostermarkt im Örtchen Denmark und die Umgebung von Albany mit ihrer irren natürlichen Felsbrücke und ihrer steilen riesigen Felsspalte, bevor wir uns wieder auf den Weg nach Perth machten.

 

Und hier sind wir jetzt. Wir werden uns noch mehr von der schönen Innenstadt anschauen und noch ein paar Mitbringsel erwerben, sowie unseren geliebten Van verkaufen und am 2. Mai von hier nach Tasmanien fliegen, um unser liebes Ehepaar, bei welchem wir Freiwilligenarbeit mitmachten, nochmal zu besuchen.

 

Wir hoffen, es geht euch allen wunderbar! Wir freuen uns wieder sehr auf euch und vermissen die Heimat.

 

Eure Lida und euer Joe

 
  wohin es geht...
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Es waren schon 16321 Besucher (101564 Hits) hier!
Diese Webseite wurde kostenlos mit Homepage-Baukasten.de erstellt. Willst du auch eine eigene Webseite?
Gratis anmelden