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Huhu ihr lieben, hoffentlich hochmotivierten und interessierten Leser!
Vorhin saß ich noch im morgendlichen Sonnenschein (beziehungsweise im morgendlichen Schatten, denn hier hält man’s morgens um 8 Uhr schon nicht mehr lange in der Sonne aus) am Strand von Burleigh Heads, jetzt sitze ich an unserem Campingtisch hoch oben in den Bergen des Lamington Nationalparks – Green Mountains Section, wo es erstaunlich kühl ist, und schreibe zum zweiten Mal an diesem schönen Tag diese Mail. Eigentlich freue ich mich nicht ganz so sehr darüber, wie es im Moment vielleicht anklingen mag (ein Wutausbruch und eine zum Glück nicht allzu lang anhaltende Depressionsphase beschreiben meine Reaktion schon eher), denn eine recht unglückliche Fügung meiner Hirnwindungen brachte mich vorhin beim Zusammenpacken auf den irrsinnigen Gedanken, meinen Teil des schottstädtischen Jahres-Rundbriefes 08 unter dem Namen „Bericht Nr 6“ abzuspeichern, wodurch ich mit einem einzigen unüberlegten, sensationell dummen Mausklick auf „Ja“ die kurz zuvor fertig gestellte, vier Seiten lange und bereits unter dem Namen „Bericht Nr 6“ gespeicherte Bericht-Mail in die ewigen Jagdgründe schickte... Ich kann meine Freude darüber gar nicht gut genug zum Ausdruck bringen. Nun ja, dafür darf Lida heute Abend kochen und ich kann den Tag mit noch mehr Tipperei ausklingen lassen.
Soweit ich mich erinnere, endete unsere letzte Mail irgendwo bei der Arbeit in Bundaberg auf der Melonenfarm. Das liegt ja für uns irgendwie schon wieder Monate zurück, dabei war es gerade mal vor einer Woche. Vorigen Dienstag hatten wir unseren letzten Arbeitstag, und noch ganz in der Frühaufstehermanier gefangen, legten wir am Mittwoch morgen gleich um 7 Uhr los. Auf dem Tagesplan stand Maleny, der nette kleine Ort in den Bergen nördlich der Glasshouse Mountains, den wir auf dem Herweg schon einmal besucht hatten. Dieses Mal ging es uns, vor allem aber mir, darum, noch einmal zum Gardners Fall zu kommen, dem tollen Wasserfall am Obi Obi Creek.
Wir brachten die 300 Kilometer auch recht fix hinter uns, machten noch einen Zwischenstop bei den Mapleton Falls und spazierten eine gute Stunde durch den dazugehörigen Nationalpark. Beim Parkplatz des Gardner Falls angekommen erlebten wir leider eine blöde Enttäuschung, denn zu unserem Missfallen war hier um 2 Uhr nachmittags bei strahlender Sonne nicht ganz so wenig los wie bei unseren eher abendlichen Besuchen zuvor. Also machten wir uns auf nach Maleny, kochten dort und kehrten um 5 Uhr wieder zum Wasserfall zurück. Dieses Mal hatten wirs ein bisschen mehr für uns, ausser ein paar Jungs, die auch bald gingen, waren wir für uns allein. Ich habe noch ein paar Übungen am Tarzanseil gemacht, und sogar Lida konnte sich überwinden und hat den Sprung vom Felsplateau gewagt. (kleiner Hinweis auf Lida‘s Homepage www.lidadeermann.de.tl , dort ist jetzt sowohl ein Bild von ihrem Sprung als auch ein besseres Video vom Tarzanschwung online)
Am nächsten Morgen machten wir uns dann auf zu einem weiteren, absoluten Highlight unserer bisherigen Reise. Nicht weit entfernt von Maleny, vielleicht auf halben Weg zurück zur Küste, befindet sich der Ort Beerwah (hat nix mit Bier zu tun! Beerwah ist auch der Name für den größten der Glasshouse Mountains und bedeutet „Mutterberg“ oder so ähnlich) Dort, kaum zu verfehlen aufgrund der tausendfachen Beschilderung, liegt der sagenhafte Australia Zoo, der 1992 von Steve Irwin, den vielleicht ein paar von euch als Crocodile Hunter von früheren RTL2-Sendungen kennen, ins Leben gerufen wurde. Eigentlich war ich vor unserem Besuch dort eher zweigespalten, wie ich den Zoo und dessen Aufmachung so finden würde. Man erinnert sich dann doch an die alten Sendungen, die natürlich spannend und aufregend waren, trotzdem aber meistens auf der Provokation von Wildtieren beruhten.
Von Beginn an also eher skeptisch, hat mir dieser Besuch doch einen absolut neuen Eindruck vom Lebenswerk dieses Mannes geschaffen. Es wird einem einfach klar, das alles, was er getan und gezeigt hat, ausschließlich dem Tierschutz und dem Vermitteln von Wissen zugute kam. Zudem folgt alles, was heute im Zoo passiert, der Devise „conservation trough exciting education“. Los ging‘s damit direkt nach dem Eintritt in den Park. Sofort wurde man von Tierpflegerinnen überrascht, die kleine Babyalligatoren auf dem Arm hatten, die man anfassen und mit ihnen Fotos machen konnte. Während dessen erklärten sie einem, wie alt die Tiere sind, dass sie hier im Zoo geboren wurden, wie groß sie werden und mehr. Auf einem Bild hält Lida den Schwanz eines 2 œ Jahre alten American Alligators, die bis zu 4 Meter lang werden können. Ich nehme an, dass ich diese Infos nicht mehr so genau im Kopf hätte, wenn sich da nicht auch das faszinierende Bild dieses tollen Tieres eingebrannt hätte.
Später besuchten wir dann eine Show im Crocoseum, einem großen Stadion mitten Im Zoo, wo bis zu 5000 Menschen rein passen. Als wir dort waren, waren vielleicht 500 da, somit war die Atmosphäre ziemlich entspannt und man bekam alles gut mit. Unten in der Mitte ist eine große Rasenfläche mit einem künstlich angelegten Flusslauf, der zu einer großen Tür an der Seite führt, aus der Tiere und Pfleger herauskommen. Die Show begann damit, dass 3 Pfleger eine 150 Kilo schwere Riesenschlange über die ganze Fläche trugen, sie am Ende ins Wasser legten und mit ihr zusammen zurück zum Ausgang geschwommen sind. Während dessen wurden Fakten zu einigen einheimischen australischen Schlangen erzählt, z.B. welche davon giftig und welche ungefährlich sind. Dazu liefen mehrere Pfleger mit kleinen, etwas handlicheren Schlangen durch die Zuschauerränge und zeigten sie rum. Dann ging’s weiter mit der Vogelvorführung. Nach einer kleinen, lustigen Showeinlage, die ich auch mitgefilmt habe (leider nur mit meiner Video-Kamera, deswegen können wirs nicht online stellen), war das gesamte Stadion plötzlich erfüllt von umher fliegenden, kreischenden Papageien, einer bunter als der andere und alles verschiedene Sorten. Einige davon sind sogar auf den Geländern in den Rängen gelandet, sodass man sie von ganz nah sehen konnte, ein paar andere sind in unglaublicher Geschwindigkeit über die Köpfe der Zuschauer gezischt. Wie auch immer die Vögel alle wieder eingefangen werden konnten, danach ging‘s jedenfalls weiter mit der spannenden Krokodilshow. Auf dem riesigen Bildschirm konnte man mitverfolgen, wie eines der Krokodile langsam den Weg ins Stadion geschwommen kam, während drinnen die Showfläche durch doppelte Zäune mehrfach abgesichert wurde und einer der zwei Pfleger, die sich innerhalb des Zaunes befanden, erklärte, wo diese Krokodile heimisch sind und dass ihr natürlicher Lebensraum wie bei so vielen anderen Tieren sehr bedroht ist. Zudem erfuhren wir, dass sämtliche ausgewachsene und nicht im Zoo geborene Krokodile „Problem-Tiere“ sind, die in ihrer Heimat mehrfach Menschen angegriffen haben und durch die Einlieferung in den Zoo vor ihrer Tötung gerettet wurden. In der Arena angekommen wurde das Krokodil dann vom Pfleger mit einem großen Fleischstück aus dem Wasser gelockt und sprang so hoch, dass es ihm das Fleisch praktisch aus der Hand schnappte. Von einer Empore über dem Wasser aus erklärte der Pfleger dann, dass sich diese Tiere bei Bedarf um die Hälfte ihrer eigenen Körperlänge aus dem Wasser katapultieren können, um so an Beute zu kommen. Dies wurde dann auch gleich darauf sehr eindrucksvoll bewiesen, als dieses riesige Vieh tatsächlich auf seinem Schwanz stehend 2 Meter hoch aus dem Wasser schoss und das nächste Fleischstück mit laut zuklatschendem Maul aufschnappte. Ich weise dabei gerne nochmal auf ein perfekt von Lida geschossenes Foto auf der Homepage hin!
Um das Ganze nicht allzu sehr ausschweifen zu lassen, zähle ich im Folgenden schnell die Dinge auf, die wir sonst noch im Zoo erlebt haben. Wir konnten Elefanten mit Wassermelone füttern, sahen einen Tasmanischen Teufel, Dingos, einen großen Komodo-Waran und Shingleback-Echsen, die zur Verwirrung von Angreifen hinten genauso aussehen wie vorne, schauten bei der unglaublich hektischen Fütterung der Riesenschildkröten zu, sahen zahlreiche einheimische Schlangen und Krokodile, konnten Kängurus (eines davon mit einem kleinen Kängurubaby im Beutel) und unglaublich wuschelige Koalas streicheln und guckten zu, wie die Tiger an ihren Spielzeugen knabberten und sich gegenseitig jagten.
Alles in allem hat uns dieser Zoobesuch also vollkommen umgehauen, denn eine so zahlreiche und vielfältige Tierwelt, die einem auf so faszinierende Art und Weise näher gebracht wird, hatten wir beide nicht erwartet. Es war ein voller Erfolg, und wäre es nicht am falschen Ende der Welt, würde ich jeden, den ich kenne, dazu bringen, auch mal hinzugehen.
Als wir uns dann gegen 5 Uhr gemächlich durchs Kängurugehege zurück zum Ausgang bewegten und unsere Einkäufe im Shop am Ausgang erledigten (wir sind jetzt stolze Besitzer eines Australia Zoo Aufklebers, der auf unserer Rückscheibe den Beginn einer Aufklebersammlung macht, dazu haben wir uns für unser zukünftiges Auto in Deutschland ein Plastikschild mit der Aufschrift „Kangaroos – next 20 km“ gekauft, und ich trage nun auch eine neue Mütze), traten wir unsere nächste Etappe runter bis zur Gold Coast an.
Der Weg führte uns an Brisbane vorbei, wo ein fieses Gewitter tobte, durch einen Stau bis nach Surfers Paradise, einer unglaublich hässlichen, nur aus Hochhäusern bestehenden und ekelhaft lauten Party-Küstenstadt, aus der wir uns auch postwendend wieder verabschiedeten und weitere 10 Kilometer weiter ins südlich gelegene Burleigh Heads fuhren. Leider zog das Gewitter bis zum Freitag dann zu uns runter, was uns einen Tag mit langem Ausschlafen und nicht viel Tun bescherte. Den Samstag nutzten wir dann für Dinge wie Einkaufen, Schwimmen, das besser werdende Wetter genießen und unsere Pläne für die nächsten Tage ausarbeiten. Diese führten uns dann am abends noch rauf in die Berge, und zwar zum Wanderparkplatz Binna Burra im Lamington Nationalpark.
Dort traten wir am Sonntag morgen den 12 Kilometer langen und mit 4,5 Stunden Wanderzeit ausgeschriebenen Dave’s Creek Circuit an (Circuit heißt so viel wie Rundweg). Dass wir letztlich um die 6,5 Stunden brauchten, lag nur daran, dass wir an sehr sehr vielen Stellen stehen bleiben mussten, um Bilder zu machen, die Aussicht zu genießen oder uns einfach nur an den Wundern eines so tollen Waldes zu erfreuen. Es war immer wieder erstaunlich, wie plötzlich sich die Waldart ändern konnte. Im einen Moment ist man noch umgeben von vollkommen begrüntem Waldboden, großen Farnbäumen und sieht von all den riesigen Bäumen nur die dicken Stämme, dann schaut man eine Sekunde nicht genau hin und steht plötzlich in einer steppenartigen, trockenen Umgebung mit viel kleineren Bäumen und Sträuchern, über die man sensationelle Ausblicke auf das darunter liegende Tal hat. Und nicht selten wird einem dann klar, dass man nur wenige Meter entfernt und einzig durch ein paar niedrige Gewächse getrennt von einer senkrecht abfallenden Felskante steht. Mittagspause machten wir zum Beispiel in der Molongolee Cave, einer Aushöhlung im Berg direkt unterhalb des Pfades gelegen, die man von oben niemals erahnt hätte. Hier konnte ich meiner etwas eingerosteten Kletterseele endlich mal wieder ein bisschen Freiheit gönnen, was mir sehr viel Freude und Lida ein paar Sorgen bereitete. Außerdem flossen überall an den Felsen kleine Rinnsale herunter, wodurch ich ein Stück weiter unten ein bisschen im kühlenden Regen stehen konnte. Auf dem Rückweg kamen wir dann am Surprise Rock vorbei, einem Bergkamm, der bequem zu erklettern ist und oben über die umstehenden Bäume ragt. Hier konnten wir einen grandiosen Rundumblick genießen und sogar in der Ferne an der Küste die aus dieser Entfernung zugegebenermaßen beeindruckende Hotel-Skyline von Surfers Paradise sehen. Beim Herumklettern auf den Felsen entdeckte ich dann plötzlich einen großen Waran, vor dem ich mich mindestens ebenso erschreckt habe wir er sich vor mir. Wir machten beide einen Satz rückwärts, und obwohl diese Tiere sich ja immer recht träge bewegen, war er erstaunlich schnell verschwunden, sodass ich nur noch gerade so eben ein zwei Bilder vom Schwanz machen konnte. Es war aber auch wirklich ein verdammt großer Vertreter seiner Art, mitsamt Schwanz bestimmt einen Meter lang. Wieder zurück im Wald folgte ich dann einem der kleinen, lustig gurgelnden Bäche, den wir auf dem Hinweg schon entdeckt hatten, und in dem einige kleine Flusskrebse hockten und angriffslustig in die Stöckchen zwickten, mit denen wir sie ein bisschen ärgerten. Weiter unten am Bach entdeckte ich in einem kleinen Bassin sogar einen Aal, und noch weiter unten ergoss sich der Bach zu meinem Erstaunen in einem 5-6 Meter hohen Wasserfall, der wunderschön in der Sonne glitzerte. Seltsamerweise war hier weit und breit kein Wanderweg zu sehen, und so kam ich in den seltenen Genuss, ein tolles Naturschauspiel ganz für mich allein entdeckt zu haben.
Am Montag morgen fuhren wir dann, da sich das Wetter inzwischen wieder absolut zu unseren Gunsten verbessert hatte, ins WhiteWater World, einem der hier ansässigen Wasser-Vergnügungsparks. Von dieser Sorte gibt’s hier gleich zwei an der Gold Coast, dazu noch zwei normale Vergnügungsparks und einer, der alles ein bisschen mixt. Da wir vorher schon im Zoo waren und man solch einen normalen Park ja auch in Deutschland hat, entschieden wir uns für einen Wasserpark. Das ist im Grunde ein großes Schwimmbad mit außergewöhnlichen und ein bisschen spektakuläreren Wasserrutschen, als sie sonst in normalen Bädern zu finden sind. Man fährt zum Beispiel in großen 4-Mann Schlauchbooten, stürzt 20 Meter nahezu senkrecht in die Tiefe und schaukelt dann in großen Schwüngen in einem liegenden Trichter Richtung Ausgang. Da man während der Fahrt keine Kamera dabei haben konnte und wir aufgrund der genau im richtigen Moment aufgebenden Batterien auch von außen kaum Bilder machen konnten, sollte sich am besten jeder, der einen Eindruck von so einem Park bekommen möchte, die Bilder dazu im Internet raussuchen. Da es nur 4 wirklich aufregende Rutschen und ansonsten nur ein großes Wellenbad gab, war dieser Besuch zwar mal was Anderes, aber wir sind uns einig, dass man das nicht unbedingt wiederholen muss. Mir persönlich ist da doch der richtige Kick einer ordentlichen Achterbahn lieber :-)
Soweit der Stand der Dinge. Morgen wollen wir wie gesagt hier in der Green Mountain Section des Lamington NP nochmal ein bisschen wandern gehen, und da diese neue Email irgendwie wieder genauso lang geworden ist wie die alte, ist es sowieso vielleicht das Beste, wenn ich jetzt so langsam mal Schluss mache. Zuletzt sei übrigens nicht unerwähnt, dass Lida sich zu Weihnachten eine schöne Akustik-Gitarre gekauft hat und während meiner zweifachen, stundenlangen Schreiberei schon sehr fleißig übt, da ihr das Musik machen sehr fehlt. Ich finds gut, dann können wir vielleicht nächste Woche schon ein paar Weihnachtslieder zusammen singen :-)
Wir hoffen, dass wir euch allen mit unseren Erlebnissen immer ein wenig sonnenstrahlende Freude ins kalte Deutschland schicken können, wünschen euch zu Hause noch eine schöne Adventszeit und falls wir uns vorher nicht mehr melden sollten, Frohe Weihnachten!
Eure Traveller
Joe und Lida |
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