Work&Travel im Outback  
 
  Victoria hat ein verdammtes Fliegenproblem! - Bericht Nr. 8 (28.1.09) 18.03.2026 16:10 (UTC)
   
 
Hallo ihr Lieben!

Wir hoffen, es geht euch allen gut und ihr genießt die kalte Schnee-Zeit. Wir sind durchaus etwas traurig, da wir jahrelang keinen richtigen Winter hatten. Und jetzt sind wir einmal weg, schwupps, gibt es 15cm Schnee. Die Einleitung stammt übrigens von Lida, die‘s nicht lassen konnte, schon die nächste Mail anzufangen, aber ab jetzt schreib ich (Joe) weiter

Nachdem wir in Katoomba in den Blue Mountains zwei weitere, ungemütlich kalte Tage überstanden hatten, machten wir uns zu Beginn der neuen Woche auf zu den Jenolan Caves, einem zufällig in diversen Prospekten entdeckten Höhlensystem ca. 80 Kilometer südwestlich von Katoomba, das man nur über eine Straße erreicht, die aufgrund ihrer Enge täglich teilweise zur Einbahnstraße umfunktioniert wird! Dort angekommen (man fährt zuerst durch einen sehr imposanten riesigen, natürlichen Tunnel durch den Berg, in dem es plötzlich im Vergleich zu draußen verdammt kalt und dunkel wird) wurden wir von einem älteren Ehepaar angesprochen, das uns Tickets für eine Führung schenkte, weil dabei zu viele Treppen zu meistern gewesen wären. Überaus froh darüber (Ticketpreis 30 Dollar p.P.) machten wir die interessante Führung zum Flusssystem in der am niedrigsten gelegenen Höhle mit. Im Anschluss daran sahen wir uns noch den aus dem Höhlenfluss gestauten Blue Lake an, dem mir eigentlich als einzigartig in Erinnerung befindlichem Pendant zum Blautopf im schwäbischen Blaubeuren. Ich hab mir von Julia erklären lassen, dass die Farbe mit dem Kalkgestein in den Bergen zu tun hat, und tatsächlich sprach unser Höhlenführer mehrfach von „Lime Stone“ – Kalkstein. Nach einem netten Rundgang um den See sprach uns das Ehepaar noch einmal an, als wir gerade schon wieder Richtung Auto gehen wollten, ob wir denn das „Platypus“ im See gesehen hätten. Wir verneinten, drehten aber auf dem Fuß um, und tatsächlich durften wir uns wenige, mit Spannung erfüllte Minuten des Wartens später über die glückliche Beobachtung eines der am seltensten zu beobachtenden Tiere Australiens freuen! Kurzer Abstecher in die Biologie (man sehe mir etwaige Fehler nach, schließlich hatte nicht ich dieses Fach als LK :-) Ich gebe mir aber Mühe um Richtigkeit) Das Platypus, zu deutsch Schnabeltier, ist eines von zwei überaus merkwürdigen Lebensformen, die es, wie rund 80% der restlichen Tiere und Pflanzen des fünften Kontinents, nur hier gibt. Das andere ist das Echidna, der Schnabeligel, dazu später noch mehr. Eine Besonderheit, die sich beide teilen, ist, dass sie Eier legen, ihre Jungen aber trotzdem säugen (wenn man es denn so nennen kann, eigentlich lecken die Jungen mehr an einer in der Evolution stecken gebliebenen Vorstufe einer Zitze, die daraufhin die Milch absondert), was ihnen in der heutigen Forschung den Rang eines Säugetiers eingebracht hat. Zudem habe ich kürzlich erfahren, Wikipedia sei dank, dass Schnabeligel sogar Beuteltiere sind, also ihre Jungen nach dem Schlüpfen in den Beutel nehmen, aus dem diese aber mit acht Wochen wieder ausziehen müssen, da ihnen nun ihre Stacheln wachsen. Die will die Echidna-Mama natürlich nicht im Bauch stecken haben. Beide haben eine weitere Besonderheit, welche frühere europäische Forscher beizeiten zu der Annahme verleitete, es handele sich bei den zur Artenbestimmung eingeflogenen Tieren tatsächlich um „Fälschungen“: Die Geschlechts -und Ausscheidungsorgane enden in der selben Öffnung, der sogenannten Kloake. So, genug der hoffentlich aufklärenden wissenschaftlichen Belehrung, was viel wichtiger ist: wir haben es wirklich gesehen! Und es kam sogar noch besser: nicht nur eines, sondern gleich drei „Platypussis“ planschten da auf einmal vor uns im Blue Lake rum – schon die Sichtung eines Einzelnen bedeutet laut Einheimischen ein gehöriges Maß an Glück, da sie unglaublich scheu sind und sich wenn dann nur bei der morgendlichen oder abendlichen Dämmerung blicken lassen! Nicht vergessen werden soll daher, dass wir auf der Fahrt zu den Höhlen auch plötzlich ein Echidna entlang wandern sahen, jedoch aufgrund der enorm schlechten Parkmöglichkeiten am Straßenrand (ich sprach die Einbahnstraßen-Problematik schon an) nicht allzu lange Zeit hatten, es eingehend zu bewundern. Dafür waren wir sehr nahe dran und konnten ihm bei seiner lustigen, wackeligen Gangart zusehen. Ebenfalls nicht in Vergessenheit geraten darf eine weitere Begegnung mit einem uns bisher unbekannten Tier: wir trafen auf unsere erste wild lebende Schlange, eine Red-bellied Black Snake, die zwar giftig, aber schwer reizbar ist und somit für den Menschen als nahezu ungefährlich gilt. Den Abschluss dieses unglaublich tierreichen Tages machten eine Reihe Kängurus, einige davon ganz klein und mit dunklem bis schwarzem Fell (scheinbar Berg-Kängurus) und ein anderes, dass uns hüpfenderweise auf dem Highway entgegenkam und uns mit seinen gewaltig weiten Sprüngen beeindruckte.

Von den Blue Mountains aus machten wir uns weiter auf nach Süden, dem Grand Pacific Drive folgend. Dies ist ein Abschnitt parallel zum eigentlichen Küstenhighway, der erst vor kurzem eröffnet wurde und einen rund 160 Kilometer entlang an der Küste an die schönsten Stellen führt. Unter anderem kamen wir dabei in Kiama an einem sogenannten „Blow-Hole“ vorbei, einer Höhle, die Wasser in bis zu 60 Meter Höhe speien kann, ähnlich einem Geysir. Danach haben wir noch einen Rock-Pool entdeckt, einen in die Felsen im Meer eingelassenen öffentlichen Schwimmpool, in den die (zu diesem Zeitpunkt immer heftiger werdenden) Wellen direkt hereinbrachen, was einem ein sonst unmögliches Erlebnis ermöglichte. Die Fahrt führte uns weiter durch einige schöne Küstenorte, bis wir schließlich zum Nelson Beach kamen. Dieser nicht sehr stark frequentierte Strand bot eine unglaubliche Aussicht über das Mündungsgebiet eines Flusses, jedoch machten wir hier unsere erste Erfahrung mit einer hochgiftigen Qualle namens Portugiesische Galeere alias Blue Bottle alias „Bluey“, wie sie die Australier liebevoll nennen. Ich erinnere mich da so vage an einen Spruch, der in etwa lautete: „Sie wird dich nicht unbedingt umbringen, aber bei den Schmerzen wirst du dir wünschen, sie hätte es getan!“ Wir machten also sehr vorsichtig ein paar Bilder und hielten uns ansonsten vom recht bewegten Wasser fern. Tags darauf gelangten wir ins Nadgee-Reserve, ein Naturreservat, dass unmittelbar der Grenze zu Victoria vorgelagert ist. Hier war so wenig los (kein Wunder nach 9 Kilometern hubbeliger Schotterpiste), dass man sich vor Antritt seiner Wanderung eintragen musste, welchen Weg man vorhat zu gehen, damit man gesucht werden kann, falls man nicht zurück kommt. Der Wald selbst, durch den wir liefen, bot enttäuschend wenig Spektakuläres und war nicht halb so spannend wie damals bei der langen Wanderung im Lamington NP, dafür gelangten wir nach gut eineinhalb Stunden an die Mündung des Merrica-Flusses, wo wir einen so unglaublich schönen, menschenleeren und unberührten Strand wie noch nie vorfanden! Hier brachten wir einige sehr schöne Stunden zu, mussten uns jedoch nicht allzu spät wieder aufmachen, um den Rückweg zu Fuß als auch die Fahrt über die „Straße“ noch im Hellen zu schaffen.

Seit dem befinden wir uns also in Victoria, dem süd-östlichsten Zipfel des australischen Festlandes und können sagen: Dieser Bundesstaat hat ein verdammtes Fliegenproblem! Zunächst einmal darf man keine Früchte ins Land einführen und schon gar nicht auf der Autobahn aus dem Fenster werfen, weil sich überall die Fruchtfliegen tummeln. Dann wimmelt es hier nur so von aufdringlichen, unerschütterlichen Hausfliegen, die einem binnen weniger, unbeachteter Sekunden in sämtliche Öffnungen im Gesicht kriechen. Man kann sie also nicht ignorieren, man kann sie nicht töten (dafür sind sie zu schnell), und verscheuchen lassen sie sich auch nicht. Zudem gibt’s hier wieder Unmengen an Mücken und haufenweise dieser mutierten Riesenbremsen, die einen nicht nur stechen, sondern Haut rausbeißen und münzgroße Einstichkrater hinterlassen. Nicht zu vergessen, dass es hier kaum noch echte grüne Wiesen entlang der Straße gibt, sondern nur blassgelbe Steppe. Ein grausames und ödes Land also. Nach einigen enervierenden, weil fliegenverseuchten Nächten auf Autobahnraststätten mit Feuerstellen (ich hatte es mir als festes Ziel gesetzt, endlich mal wieder ein ordentliches Lagerfeuer zu machen, außerdem hilft es abends ein kleines bisschen gegen die Mücken) gelangten wir zum Wilsons Promontory Nationalpark, der erste Nationalpark, für den wir Eintritt zahlen mussten. Dies nahmen wir jedoch in Kauf und wurden nicht enttäuscht. Lida hatte mir erzählt, hier sei es schon ein bisschen „wie auf Tasmanien“, und die folgenden 30 Kilometer bis zum einzigen „Ort“ des Parks (bestehend aus einem Campingplatz, einem Campingplatz und nicht zu vergessen: einem Campingplatz) guckten wir uns die Augen aus dem Kopf. Ganz anders als das Umland des Highways, was wir bisher nur zu sehen bekommen hatten, war hier wirklich nur grün. Einfach grün. In unmittelbarer Küstennähe erheben sich hier bis zu 755 Meter hohe Berge, die gänzlich überwaldet sind. Leider hatten wir nur den einen Tag Zeit, um uns hier umzusehen und machten uns also gleich auf, um an der drei mal am Tag angebotenen Kanutour teilzunehmen. Glücklicherweise erhaschten wir das letzte freie Boot, und sahen den Park also zuerst einmal vom Wasser aus. Die Tour war nicht berauschend lang, aber auf jeden Fall mal was begeisternd anderes. Wir haben uns schon überlegt, uns auf Tasmanien ein Kanu zu mieten und damit statt einer mehrtägigen Wanderung eine Kanutour zu machen!
Danach zogen wir zu Fuß los, um einen etwas unbelebteren Strand als den Main Beach zu erkunden. Die Wanderung führte uns knapp 4 Kilometer ein gutes Stück oberhalb des Wassers entlang, wo deutlich wurde, dass die Bergwände doch nicht komplett von Wald bedeckt sind, sondern sich einige große Felsflächen schräg den Berg hinaufziehen. Ich konnte also ein bisschen herumklettern, leider aber nie wirklich lange, denn sobald Lida auch nur eine Minute herumstand und wartete, wurde sie sofort bei lebendigem Leibe aufgefressen von den ganzen Fliegen und Bremsen. Wir mussten uns also ständig in Bewegung halten, und selbst dann waren die Viecher noch ausgesprochen nervtötend. Ein Umstand, der uns die Wanderung leider nicht unbedingt verschönert hat. Abends wollten wir uns noch den vielerseits angepriesenen Sonnenuntergang ansehen, da hier der Ostaustralier die seltene Möglichkeit hat, die Sonne über dem Meer untergehen zu sehen. Leider wars recht wolkenverhangen, dafür wurde ich bei meinen (viel spannenderen) Felsklettereien mal wieder vom Meer besiegt und kam mehr oder weniger klitschnass von meiner Expedition zurück in die Arme meiner lieben Frau :-)
Am folgenden Tag machten wir uns auf, unser zweijähriges Jubiläum zu feiern, und fuhren zu diesem Anlass auf die Insel Phillip Island. Hier wurden wir vom Wind in der überaus treffend benannten „Stormy Bay“ fast weggeblasen und schafften es kaum, unser Frühstück auf dem Tisch zu behalten. Eigentlich wollten wir uns dort noch Pinguine anschauen, aber der Eintritt hat uns so sehr umgehauen, dass wir uns lieber noch ein wenig mit dem Sturm und den unglaublichen Wellen vergnügten. Am Abend fuhren wir in einen der entfernter gelegenen Vororte Melbournes, von dem wir aus unserem Camping-Guide wussten, dass es dort Duschen an einem öffentlichen Picknick-Gelände gab. Wir wurden nicht enttäuscht, es gab sie, und zu allem Überfluss waren sie auch noch warm, was uns natürlich sehr erfreute. Zudem haben wir uns vor kurzem zwei sehr hübsche, insektenabwehrende Windlichter-Kerzen gekauft, mit deren Hilfe wir uns ein äußerst gemütliches und romantisches Abendessen bei Sonnenuntergang gezaubert haben.

Und dann kam Melbourne! Wir haben schon von verschiedenen Seiten gehört, dass es eine Art Konkurrenz zwischen Melbourne, der Hauptstadt Victorias, und Sydney gibt. Vielleicht so in etwa vergleichbar mit der Zankerei zwischen Köln und Düsseldorf, jedenfalls waren wir sehr gespannt, ob uns Nicht-Städter die nächste Großstadt mal umhauen könnte. Bisher sind wir beide recht angetan. Wir haben uns im südlich gelegenen kleinen Hafenvorort namens Williamstown niedergelassen, wo wir unsere üblichen Lebenserhaltungsmaßnamen schon getroffen haben: wir wissen, wo es ein freies W-Lan gibt für Internet, wir haben Toiletten im Bahnhof, dort gibt’s auch Wasser, und gestern habe ich sogar am Laternenmast eine Steckdose entdeckt. Diese zu erreichen war aufgrund der Höhe zwar ein bisschen knifflig, aber sämtliche Batterien sind jetzt mal wieder frisch geladen! Von besagtem Bahnhof fahren alle 20 Minuten Züge in einer guten halbe Stunde in die Innenstadt, von dort aus kann man sich in alle erdenklichen Richtungen mit der Tram bewegen. Wir waren bereits zweimal im Imax-Kino, einem Kino im Riesenformat (die Leinwand ist 32-23 Meter groß!), im Botanischen Garten, der zu den schönsten der Welt gehören soll und wo wir uns im Childrens Garden am Brunnen komplett nassgemacht haben, um den Temperaturen zu strotzen, wir waren am Hafen, um uns Tickets nach Tasmanien zu kaufen (am Sonntag geht’s los!), haben uns am Montag zum Australia Day eine Oldtimerausstellung am Melbourner Museum und ein schnuckeliges Feuerwerk in Altona angesehen, besuchten das Crown-Casino, wo wir zum ersten Mal echtes Roulette und sämtliche anderen Glücksspielarten beobachten konnten, und nicht zu vergessen die zahlreichen Besuche in diversen Schuhläden, die uns schon viel Zeit und Nerven gekostet haben (hier einen Schuh in Größe 48 zu finden ist so gut wie unmöglich!) Außerdem verfolgen gerade vielleicht ein paar von euch das „Australian Open“ Tennis Turnier, wovon wir uns im vorbeigehen am Federation Square auf dem Riesenbildschirm ab und zu mal was ansehen und dabei daran denken, dass die Spiele im selben Moment nur ein paar hundert Meter weiter stattfinden!
Jetzt fahren wir kurz nochmal zum Internet, um diese Mail abzuschicken (inzwischen kennen uns die Eisladenbesitzer glaube ich schon, denn wir parken immer für mehrere Stunden direkt vor ihrem Cafe, ohne der Versuchung zu erliegen, uns etwas bei ihnen zu kaufen) und heute Abend nehmen wir an einem Segelrennen teil, zu dem der hiesige Yachtclub jeden Mittwoch Gäste mitnimmt! Wir freuen uns schon sehr darauf, denn neben dem Kanufahren wollten wir unbedingt mal zum Segeln aufs Wasser. Wenn wir also nicht absaufen, werden wir euch in der nächsten Zeit von Tasmanien aus weiter berichten!

Bis dahin, bleibt gesund, erkältet euch nicht (wir bekommen heute und in den nächsten Tagen bis zu 43°C, haben wir gerade erfahren :-) und seid vielmals gegrüßt von
Euren Travellern
Lida und Johannes
 
  wohin es geht...
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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