Work&Travel im Outback  
 
  Bericht Nr. 10 (13.3.09) 18.03.2026 09:34 (UTC)
   
 

Hallöchen ihr lieben Mitreisenden !

 

Aufgrund akuten Internet-Mangels im Outback (man sollte diese Australier dafür verklagen!) nutze ich (Joe) heute mal wieder die Gelegenheit, eine neue Mail zu verfassen, da wir uns nach der Süd-Nord-Durchquerung des Kontinents mal wieder einer Randstätte der Zivilisation genähert haben und hoffen, hier euch nach Nachrichten hungernden Daheimgebliebenen etwas schicken zu können!

 

Nach unserer Rückkehr nach Melbourne, wo wir uns zum ersten Mal mit dem Auto in die Innenstadt gewagt haben (was laut der Meinung vieler nur was für Hartgesottene ist! Grund dafür ist der berüchtigte Melbourner Hook-Turn, für den man beim rechts abbiegen an einer Kreuzung  auf die linke Spur fährt, sich vor die von links wartenden Geradeausfahrer platziert, um dann, kurz bevor diese Grün bekommen, 90° nach rechts zu schwenken und dabei jeden Insassen an die linke Autoinnenwand zu klatschen. Eine Erfindung, um den in der Innenstadt fahrenden Straßenbahnen nicht in den Weg zu kommen), machten wir uns sogleich auf Richtung Great Ocean Road. Mag sein, dass wir zu dumm waren, denn bei späteren Unterhaltungen hatte keiner Probleme gehabt wie wir, jedenfalls verfuhren wir uns zum ersten Mal in Australien, kamen an ein unausgeschildertes Autobahnende (beim weiterfahren wäre man wahrscheinlich einfach in einen Baugraben gestürzt oder so), an Schilder, die uns Städte wiesen, die unserer Meinung schon hinter uns lagen etc etc. Kein sehr erbauendes Erlebnis, mit dem wir also diese von allen Seiten angepriesene rund 160 Kilometer lange Strecke, die direkt am Meer verläuft, beginnen sollten. Es ging leider auch nicht gerade grandios weiter, denn die dort verlaufende Küste sollte angeblich eine der weltweit besten Surfküste sein, mit meterhohen Wellen und allem, was man sich wünschen kann. Auch wurde dort (angeblich) die Schlussszene von „Gefährliche Brandung“ gedreht. Von Wellen sahen wir nix, von schönen Stränden auch nicht, und langsam kippte unsere Stimmung doch zusehends. Wir machten uns auf den Weg zum Cape Otway Lighthouse, was der älteste Leuchtturm Australiens sein soll und seinem Alter mit einem saftigen, unangekündigten Eintrittsgeld auch reichlich Ehre macht. (Im Reiseführer steht, dass lediglich die Besteigung Geld kostet, tatsächlich konnte man, ohne Eintritt zu zahlen, nicht mal auf das Gelände, um einen Blick auf den Turm zu werfen.) Auf dem Rückweg munterten uns zum Glück ein paar Koalas auf, was, für viele Touristen, die vorher schon von den Preisen wussten, der einzige Grund war, die Strecke zum Leuchtturm zu fahren. So auch ein junges Ehepaar namens Lisa und Marco, das wir bei einer Koala-Sichtung (wir haben ihn ganz allein entdeckt! Bei den meisten anderen stand schon ein Pulk Menschen drunter und hat wie wild geknipst) kennenlernten, und das von gar nicht mal so weit weg von uns aus Deutschland kommt. Wir unterhielten uns eine ganze Weile, vor allem über unsere Misserfolge mit der Great Ocean Road, dann beschlossen wir, eine Strecke zusammen zu fahren, da sie das gleiche Etappenziel hatten wie wir: Adelaide. Auf dem Weg dorthin trennten wir uns noch einmal kurz, damit wir den Grampians National Park ansehen konnten. Dort war es, wie überall in Victoria sehr dürr, sämtliche Flussläufe und potentielle Wasserfälle waren ausgetrocknet, sodass wir uns dort nicht sehr lange aufgehalten haben. Eine Wanderung in der schlimmen Hitze war für Lida zu viel, ich musste allein zum Gipfel klettern, wurde dafür aber auch mit einem grandiosen Ausblick über diese eigenartig geformten Bergketten belohnt. Am Abend durften wir dann noch einen wunderschönen Sonnenuntergang genießen und verbrachten die Nacht dann mit ein bisschen Sorge, die uns die Buschfeuerwarnung für diesen Tag gemacht hatte.

 

Bevor wir uns am nächsten Tag mit den zweien in Adelaide wieder trafen, bekamen Lida und ich auf der Straße zwei Karten zu einem Australian Rules Football Spiel geschenkt. Lida war nicht so scharf drauf, genauso wie Lisa, also fuhren Marco und ich zum Stadion, um uns sich prügelnde Männer anzuschauen (zumindest scheint das Spiel in der Hauptsache daraus zu bestehen, sich gegenseitig umzurennen). Nach ein oder zwei Tagen Aufenthalt in Adelaide, die wir zum waschen, einkaufen und vorbereiten auf die lange Tour zum Uluru nutzten, machten wir uns dann am 3. März zusammen mit Marco und Lisa auf den Weg. Wir legten die insgesamt etwa 1600 Kilometer zusammen in gut drei Tagen zurück, machten Stop an einem riesigen Salzsee, von dem ich am nächsten Morgen Bilder im Sonnenaufgang gemacht habe, und einen Tag später bei den Breakaways, einer Bergformation, die besonders im abendlichen Sonnenschein in besonders beeindruckenden Farben leuchten. Am dritten Tag der Fahrt überquerten wir schon die Grenze zum Northern Territory, somit hatten wir uns in South Australia so kurz wie in keinem anderen Bundesstaat zuvor aufgehalten. Auf der Straße Richtung Uluru, die vom Nord-Süd-Highway abgeht, gab es ein paar Möglichkeiten, legal frei zu campen und sogar noch Duschen nutzen zu können, was wir natürlich gern in Anspruch nahmen. Am Tag darauf buchten wir uns für die Nacht auf dem Yulara-Campingplatz ein und machten uns sogleich auf den Weg zum Kata-Tjuta, einem Bergmassiv, das ähnlich wie der Uluru aus rotem Stein besteht, dafür aber in mehrere kleine Teile gespalten ist, sodass man eine wunderbare Wanderung hindurch machen und sich über die grüne Vielfalt in den Bergtälern freuen konnte. Am Abend sahen wir uns mit noch etwa 200 anderen Besuchern den Sonnenuntergang am Uluru an, was mir persönlich aufgrund des Gedränges am Zaun um die besten Foto-Plätze relativ wenig Spaß gemacht hat, genauso wenig wie der Sonnenaufgang am Tag darauf. Einfach viel zu viele Menschen da. Einzigartig sind die Farben allemal, aber wenn man diesen Eindruck mit so vielen, fremden, laut quatschenden, sogar dort picknickenden Menschen teilen muss, kommt kein richtiges Gefühl für die Sache auf. Zumindest ging mir das so.

Die Wanderung um den Fuß des Berges und den anschließenden Besuch im Cultural Centre konnte ich weitaus mehr genießen, weil man hier einfach mehr für sich war. Die populärste Wanderung ist mit Sicherheit die Besteigung des Berges, die, wie wir später erfuhren, von den Aborigines gar nicht mal unbedingt aus religiösen Gründen abgelehnt wird, sondern viel mehr aus der damit verbundenen Gefahr für die Besucher resultiert. Es sind im Laufe der Jahre schon 40 Menschen dabei gestorben, der Großteil davon nicht, wie ich vermutet hatte, wegen eines Absturzes, sondern vielmehr an Hitzeschlägen und Herzinfarkten. Der Ranger, mit dem Marco und Lisa eine Führung gemacht haben, hat es so erklärt, dass wir es auch reichlich schlimm finden würden, wenn in unserem Garten täglich tausend Menschen etwas tun, was sie offensichtlich in Gefahr bringt, und sie, wie man an der Vergangenheit ja sieht, auch durchaus umbringen kann. Aus welchem Grund auch immer die „Traditional Owners“, wie sie sich nennen, einen an allen Orten und in allen Broschüren so oft wie möglich darum bitten, von der Besteigung abzusehen, wir haben uns jedenfalls auch kollektiv dagegen entschieden und blieben lieber auf dem Boden.

Am selben Tag ging es dann auch noch weiter, ein bisschen später als geplant fuhren wir los zum Kings Canyon, der nördlich und gut 300 Straßen-Kilometer entfernt liegt. Ebenfalls ein bisschen später als geplant starteten wir am nächsten Morgen zu einem 6 Kilometer-Walk durch den Canyon, den man laut der Informationstafel bei diesen Temperaturen höchstens noch 2 Stunden früher hätte beginnen sollen (und wir waren so gegen 10 da…) Wir haben es jedoch trotzdem gut und ohne irgendwelche Herzinfarkte oder ähnliches geschafft und wurden dafür mit tollen Blicken vom Canyon-Rand ins Tal belohnt. Im hinteren Teil des Canyons gingen wir noch einen kleinen Abzweig des Weges durch den „Garden of Eden“, ein von Vogelgesang erfülltes Stück vollkommen grünen Waldes zwischen den Felswänden, an dessen Ende sich ein größerer Teich befand, in dem ich mich natürlich umgehend erfrischte. Die andren drei waren sich zu fein dafür, weil außer uns noch zwei Schweizer dort waren und natürlich keiner Badeklamotten dabei hatte.

Am selben Abend brachten wir dann gemeinsam noch etwa 450 Kilometer nach Alice Springs hinter uns. Dort wollten wir uns schließlich trennen, denn Marco und Lisa hatten den Plan, sich hier Arbeit zu suchen, während wir weiter nach Norden fahren wollten. Nachdem wir dort noch einmal zwei Tage verbrachten, verabschiedeten wir uns also von den beiden und fuhren am 10. abends noch los. Auf der Strecke lag am nächsten Tag eine interessante Felsformation, die sogenannten Devils Marbles, die tatsächlich wie ein riesiger Haufen in den wildesten Formationen aufgestapelte Murmeln aussehen. Man fragt sich teilweise wirklich, wie so etwas aufeinander stehen bleibt, ohne in der nächsten Sekunde krachend zusammen zu fallen, aber irgendwie hält es. Man kann  sogar durchlaufen oder, natürlich, darauf herumklettern :-)

Nachdem wir an diesem Tag etwa 700 Kilometer zurückgelegt hatten, wollten wir uns gegen 7 Uhr abends eigentlich gemütlich auf einer Rest-Area zum Kochen und schlafen niederlassen. Leider wurde dieser Plan aber von einem in nicht allzu großer Entfernung prasselnden waschechten Buschfeuer vereitelt, welches beim momentanen Wind langsam, aber sicher auf uns zukam. Wir packten also schleunigst unsere Sachen wieder ein und fuhren weiter, nur um zu sehen, dass vielleicht noch 500 Meter zwischen uns und dem Feuer gelegen hatten. Inzwischen waren die Flammen bis direkt an die Straße gekommen, jedoch kam der Wind zum Glück von der richtigen Seite und wehte den Rauch von der Straße weg. Andernfalls hätten wir wohl Probleme bekommen, dort durchzukommen. Nach weiteren 100 Kilometern, wir waren beide ziemlich kaputt, machten wir dann halt und bauten uns zum ersten Mal für die irrsinnig heiße Nacht unser Zelt auf, weil es im Auto wegen Hitze und Mücken nicht mehr auszuhalten war.

Tags darauf trafen wir beim Fahren einen bekannten Deutschen wieder, den wir beiläufig in Adelaide kennen gelernt hatten und mit dem wir nun zusammen bis Katherine fuhren, dem besagten ersten Außenposten der nördlichen Zivilisation.

Tja, und hier sitzen wir nun, schwitzen, baden, wann immer es geht, schwitzen wieder und zerfließen so langsam aber sicher. Heute Abend wollen wir noch Richtung Kakadu National Park aufbrechen, einem wahrlich hoch angepriesenen Nationalpark hier im Northern Territory, der aber eigentlich nur in der Trockenzeit wirklich zu genießen ist. Wenn wir Pech haben, werden wir viele der Naturschönheiten dort gar nicht zu Gesicht bekommen, weil der Großteil der Straßen entweder überschwemmt sein kann oder ohnehin nur mit einem Allrad-Auto zu passieren ist. Man wird sehen. Ansonsten machen wir uns bald auf den langen Weg Richtung Westen, denn was Lida mir, während ich diese Mail verfasse, vom dortigen Ningaloo Reef vorliest, lässt mir fast schon das Wasser im Munde zusammen laufen!

 

Wir melden uns, sobald wir mal wieder Internet haben, mit neuen Bildern (die von der Etappe Great OceanRoad bis Uluru haben wir in Alice Springs schon online gestellt) und hoffen, ihr bleibt bis zum Ende der Reise noch bei der Stange und verfolgt unsere Reise weiterhin mit!

 

Viele liebe Grüße

Eure Schwitz-Traveller

Lida und Johannes

 
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